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Leben und Sterben in Hollywood
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Mark Lindquist ist hierzulande noch ein recht unbeschriebenes Blatt. In Amerika dagegen ist er weitaus bekannter. Bret Easton Ellis bekennt, dass Lindquist sein Lieblingsautor ist und so wie Ellis auch, wurde Lindquist Ende der 80er und zu Beginn der 90er zum sogenannten "literarischen Brat Pack" gezählt. "Carnival Desires" ist Lindquists 1990er Roman, der einen Blick hinter die Kulissen Hollywoods wirft und die Menschen hinter der schillernden Fassade inspiziert. Lindquist weiß wovon er spricht. Er selbst schrieb bis Anfang der 90er Drehbücher für große Hollywood-Studios und so lässt der Roman auch immer wieder autobiographische Parallelen durchschimmern.
"Carnival Desires" ist ein Roman, der dem ersten Anschein nach einfach nur locker-flockige Lektüre zu sein scheint. Knappe Dialoge, gepfefferte Wortwechsel mit Witz und Seitenhieben auf die Traumfabrik und eine Handlung, die mehr oder weniger daraus besteht, in Momentaufnahmen die unterschiedlichen Figuren der Geschichte zu beleuchten und zu Wort kommen zu lassen. Leichtgängige Unterhaltung über das schräge Leben in Hollywood.
Doch das würde dem Roman nicht ganz gerecht werden. Lindquists Roman hat zweifelsohne seine witzigen Momente, die vor allem im Partygeplänkel der Hauptfiguren und den flotten Wortwechseln durchschimmern, aber das ist eben noch längst nicht alles, was diesen Roman ausmacht.
Lindquist weiß, wovon er spricht und verhilft dem Polt so zu mehr Tiefe. Die Hauptfigur Bick, könnte er selbst sein. Lindquist hat durch diese Nähe zu seiner eigenen Biographie Charaktere erschaffen, die (gemessen an ihrer Umgebung) überraschend menschlich und real wirken. Man kann sich erstaunlich gut in sie hineinversetzen. Bei einem Roman, der in einer realitäts-vakuumverpackten Welt wie Hollywood spielt, mag das ein wenig verwundern, aber es gibt dem Roman eine besondere Note. Jeder ist auf der Suche nach seinem persönlichen Glück. Der Wert echter Freundschaft ist dabei unermesslich und genau das müssen auch die Figuren in Lindquists Roman erkennen.
FAZIT: Alles in allem ist "Carnival Desires" in all seiner Einfachheit überraschend vielschichtig. Lindquist treibt die Geschichte mit viel Schwung voran, erzählt direkt und gewitzt, mal nachdenklich, mal humorvoll und stets sehr menschlich. Wer mal einen halbwegs realistischen Blick hinter die Kulissen Hollywoods werfen will, der ist mit diesem Roman gut bedient und bekommt gleichzeitig noch ein unterhaltsames Werk zeitgenössischer Literatur in die Finger.
Eine Rezension von M. Schulte "mavis-23"
vom 16. Januar 2006
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