Down in Albion
von Babyshambles


 
Rezensionen:
Kein Wort über Kate Moss, versprochen. Dieses Album braucht keine Boulevard-Schlagzeilen, um auf sich aufmerksam zu machen. Aber über Drogen müssen wir schon sprechen. Über Crackpfeifen und Horrorvisionen undcoked up pansies who spend their life in flights of fantasy. Und ja, das K-Wort kommt in einem Songtitel vor (?What Katy did next?), und, äh, einmal singt KM auch: Gleich im ersten Song, der versponnenen Moritat ?La belle et la bête?, die gegen den ursprünglichen Willen der Band mit aufs Album kam. Zum Glück setzte sich Produzent Mick Jones (Ex-The Clash) durch. Denn der rohe, unfertige, wohnzimmerhafte Charakter der Aufnahme gibt die Stimmung für das ganze Album vor, das Jones wohl als eine Art romantisches Konzeptalbum angelegt hat.

Nüchtern betrachtet sind es sechzehn sehr energiegeladene Songs, deren Quellen von Sixties-Gitarrenpop über Seventies-Glam und -Punk bis Nuller-Dancehall reichen. Aber was heißt schon nüchtern. Diese Platte kann man zwar prima im drogenfreien Zustand genießen, keinesfalls aber nüchtern betrachten. Seit dem frühen Greg Dulli (seligen Afghan Whigs-Gedenkens) hat wohl keiner mehr sein Selbstzerstörertum so druckvoll-nonchalant zelebriert wie Pete Doherty. Aber Doherty tut dies eben auf sehr britische Weise. Seine Paten heißen Ray Davies, Steve Harley und Morissey.

Es gibt eigentlich keinen Song, der abfällt. Was nicht zuletzt an den übrigen Bandmitgliedern liegt. Adam Ficek war ursprünglich Jazz-Schlagzeuger, und auch Patrick Walden (Gitarre) und Drew McConnell (Bass) haben ganz offensichtlich einen musikalischen Horizont, der von Django Reinhardt bis zu den Smiths, jedenfalls weit über BritPop hinausreicht. Der erste richtige Höhepunkt ist vielleicht Track 5, ?Pipedown? (wie in ?Finger weg vom Crack!?, nicht wie in ?Geht?s ne Nummer leiser??). Eine Punk-Hymne. Wenn nicht alles täuscht, wird das der Party-Hit der nächsten paar Monate. Gefolgt von ?Sticks and Stones?, der als Reggae anfängt (und aufhört) und zwischendrin zum Pogo einlädt. Allein die lässige Inbrunst, mit der Doherty hier singt, lohnt schon die Anschaffung dieses Tonträgers. Herausragend vielleicht noch ?Pentonville? - ein Dancehall-Exkurs mit freundlicher Unterstützung des Ragga-Sängers ?The General?, entstanden als Folge von Dohertys Aufenthalt im gleichnamigen Gefängnis ? und das ebenfalls sehr hitverdächtige ?Back from the Dead?.

?Die Pop-Musik lebt davon, dass junge Spinner, die eigentlich doch noch gar nichts wissen können, auftreten, als wüssten sie alles ? und damit durchkommen?, schreibt Diedrich Diederichsen inMusikzimmer. Wenn zur Anmaßung das ?richtige? Charisma kommt, geht nur noch Begeisterungs-Modus - oder Wir-müssen draußen-bleiben. Wir sind schon drin. Mitten im Fegefeuer. Wo sich ?Death and glory? auf ?New Labour and Tory? reimen, ist das ?purgatory? eben nicht weit. Egal. Diese sechzehn Songs haben das Potenzial, uns mindestens diesen Herbst sehr glücklich zu machen.--Axel Henrici

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