Deutschland. Ein Sommermärchen
von Marcel Ost/Barsotti


 
Rezensionen:
Vorneweg: Fußball-Fans, welche sich für den Film begeistern, dürften es mit dem dazugehörigen Soundtrack schwer haben! Gut, zwar fehlt leider der während der WM in Deutschland meistgespielte und in dieser Dokumentation öfters eingesetzte Hit`54, `74, `90, 2006(Sportfreunde Stiller). Aber auf einer CD Herbert Grönemeyers offizielle FIFA-HymneZeit, dass sich was dreht, Xavier NaidoosDieser WegThis Is My Time(Sasha) und den englischen StadienklassikerThree Lions (Football's Coming Home)(Lightning Seeds) zu haben, ist für manche ein Volltreffer. Auf die 14 Instrumentals der insgesamt 22 Titel trifft das aber nicht zu.

Um sein dokumentatorisches Kammerspiel zu vertonen, das einen Blick hinter die mediale Kulisse von Klinsmann und seinen Kickern wirft sowie "das wundersame Stimmungshoch des WM-Sommers in Deutschland 2006" (Spiegel Online) zeigt, griff Regisseur Sönke Wortmann (Der bewegte Mann) auf einen (erfolgs)bewährten Komponisten zurück: Marcel Barsotti. Der Schweizer vertonte für den Ex-Profi von Westfalia Herne nämlich schonDas Wunder von Bern(2003). Barsotti, der am Münchner Richard-Strauss-Konservatorium Klavier, Klarinette, Komposition studierte, mit der Poprockband Chaya (Hit:I Feel My Heart Is Burning) 1993 die deutschen Single-Charts erobert hatte und auch Werbemelodien für Lufthansa, Vodafone oder Davidoff produziert, fand für den Streifen der Marke ?Fußball-Deutschland privat' jedoch ziemlich belanglose Töne: Sein 31.Score seit 1995 ist ein atmosphärisch-melancholischer, südamerikanisch klingender Mix aus Akustik-Gitarre, Klavier, Xylophon plus dezenter Percussion. Das, was stellenweise stark an denAmerican Beauty-Score erinnert, mag manchmal als Untermalung der meist in Zeitlupe gezeigten Tor-Sequenzen passen, wiederholt die gleiche Struktur allerdings zu oft und gibt in keiner Note die bundesweite Euphorie wieder!

Um den ?Partyotismus made in Germany' noch umfassender zu gestalten, wurden die eingangs erwähnten Songs durch Drafi Deutschers OldieMarmor, Stein und Eisen brichtergänzt. Diesen sangen die deutschen Spieler in ihrem Bus nach dem Sieg über Portugal. Dazu kommt das rockigeHeimspiel(Revolverheld), die textlich platte "Stadion-Version" vonSchiess den Ball ins Tor(Max Raabe & das Palast-Orchester) sowie die inhaltlich nicht viel originellere (deutschsprachige!) Neuaufnahme des Fury-In-The-Slaughterhouse-TracksWon't Forget These Days 2006durch das unter anderem mit Thomas Anders, Alexander Klaws, Patrick Nuo, Wolfgang Niedecken, Jasmin "Blümchen" Wagner und Die Prinzen besetzte Music Team Germany.

Die fast 62 Minuten (mit Sönke Wortmanns TV-Spot "6 Dörfer für 2006" als Bonus-Track) sind also eine Frage des persönlichen Geschmacks, obgleich Spiegel Online über den Score schrieb: "Pointiert und wirkungsvoll, aber angenehm nüchtern und zurückhaltend"!Thomas Hammerl

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