The Boy With No Name
von Travis


 
Rezensionen:
Das dauerhafte Bestehen als Britpop-Band ist ein ziemlich hartes Geschäft. Was soll ihnen auch immer wieder Neues einfallen, den Jungs, -zum Beispiel jenen von Travis? Das erscheint durchaus als legitime Frage, in Anbetracht ihrer neuen CDThe Boy With No Name. Um das Kind beim Namen zu nennen: viel ist es nicht, aber gelungen ist dieses Album trotzdem.
Der Mut zum Mittelmaß, der neue Musik erschafft, ist manchmal höher zu bewerten, als wenn Hasenfüßigkeit aus Furcht vor Superlativen keinen einzigen Ton hervorbringt. Für Fran Healy, Andy Dunlop, Dougie Payne und Neil Primrose ein undenkbares Szenario: Sie müssen einfach Musik machen. Kann man eine Band auch für ihr Herumstochern, Graben und Wühlen, sprich, ihre kontinuierliche Suche nach einer musikalischen Zukunft belohnen, auch wenn das Resultat am Ende eher unspektakulär ausfällt? Mann kann, wie im Falle dieses Albums! Nicht zuletzt weil großartigere Musiker als Travis sich dieses Recht auf Suche herausgenommen haben und grandioser daran gescheitet sind.The Boy With No Nameist ein solides Album, das versucht an beste Travis-Zeiten anzuknüpfen. Dass diese sich mittlerweile gravierend geändert haben, dürfte wohl kaum jemand entgangen sein, am allerwenigsten aber den Jungs von Travis selbst. Highlight des Albums ist zweifellos ?Closer?, ein wirklicher Lichtblick, der keiner Erklärung bedarf, weil er in bester Healy?scher Songwriter Tradition daherkommt. Die restlichen Stücke aber mäandern etwas ziellos zwischen den üblichen Anleihen aus Folk, Ballade und softem Pop in Dur und Moll umher. Immerhin hat Nigel Godrich als Produzent (Radiohead, Paul McCartney, Beck) durchweg für einen positiveren musikalischen Grundton gesorgt, als noch auf dem düsteren12 Memories. In punkto Arrangements wurden keine Mühen gescheut: Streicher, Mundharmonika, Glockenspiel, Harfe und das Pfeifen mit gespitzten Lippen fügen sich homogen ins musikalische Gesamtbild ein. Aber vielleicht ist genau das die Crux vonThe Boy With No Name: Als Gesamtbild perfekt gelungen, entfaltet das Album in einzelnen Songs seine musikalische Charakteristik nur widerstrebend und unter Entgegenkommen des Hörers. Ist das überwunden glaubt man die ?alten? Travis zu hören. Kein wirklicher Schritt also nach vorn -aber immerhin auch kein verkehrter- in Richtung einer musikalischen Zukunft, deren Name erst noch gefunden werden muss. Bis dahin bleibt sieThe Boy With No Name

Andreas Schultz

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