Goya
von Francisco Rabal

Bildgewaltig und bewegend!
• • • • •   (bewertet mit 5 von 5 Punkten)

Eine Warnung zu Beginn: wer hier einen detaillierten Film über das Leben und Werk Goyas erwartet, der wird mit diesem Film nicht viel anfangen können. Carlos Saura, der große spanische Regisseur, vermeidet den Fehler, an denen viele (Künstler)biographien im/als Film gescheitert sind: zuviel erzählen zu wollen oder sich zwischen Werk und Leben entscheiden zu müssen.
Saura vermeidet beides und läßt den alten, sterbenden Goya auftreten und setzt ausgewählte Momente seiner bewegenden Biographie refektierend mit seinem jüngeren Ich in Szene. Und was für Szenen! Nicht nur die Kostüme sind eine Augenweide, auch die Licht und Bühneneffekte, (der Film ist, bis auf eine kurze Szene, komplett im Studio gedreht worden und es stammt nichts aus dem Computer!) die variabel und wie in einem Theater eingesetzt werden, lassen die Bildsprache Goyas oft wie einen Aufschrei erscheinen. Hier wechseln sich große Tableaus mit surrealen Traumbildern ab, in denen die Bilder und auch besonders die berühmten Radierungszylken buchstäblich lebendig werden. Die wunderbare Musik, den Einsatz von Tänzern (darunter auch die spanische Theatertruppe &bdquoLa Fura dels Baus", die auch hierzulande Furore machte) machen den Film abwechslungsreich und lockern die Bilderuptionen dramaturgisch auf.
Dabei wird Goyas Aufstieg zum anerkannten Hofmaler ebenso plausibel wie seine schwere Erkrankung, seine Ertaubung (die mit Wahnvorstellungen und Kopfschmerzen begleitet war) und die politischen Wirren jener Zeit. Denn Goya, der von Kennern auch als der erste moderne Maler bezeichnet wird, war nicht nur glühender Vertreter der Aufklärung (und somit gegen die spanische Restauration) sondern auch ein politischer Querdenker, der sich viele Feinde schaffte. Goya wagte viel im Schatten der Inquisition. Seine Maxime, die Wahrheit zu malen (wie in den schrecklich realistischen Radierungen des Krieges zwischen Frankreich und Spanien, die im Vergleich mit den Bildern aus dem jüngsten Irak-Krieg beklemmende Parallelen aufweisen!) brachten den Bruch mit dem spanischen Hof und seiner Gesellschaft.
Neben der Beziehung zu der Herzogin von Alba, vermutlich die einzige Frau, die Goya wirklich geliebt hat, kommt auch Goyas Familienleben zum Zug, in dem er einerseits als Despot, aber auch als zärtlicher Vater und Lehrer auftritt.
Aus seinem Exil in Bordeaux, wo der Hauptteil des Films spielt, ist Goya nicht mehr nach Spanien zurückgekehrt. Er starb dort mit 82 Jahren.
Ein Film für Leute, die den Maler und sein Werk erfahren möchten und auch gerne bereit sind, der ungewöhnlich theatralischen Bildsprache zu folgen. Auch beim Film gilt das Zitat Goyas: "Man muss die Heiligen auf den Kopf stellen, damit sie funktionieren!"
Eine Rezension von Andreas Schneider "Coppelius" Bonn
vom 12. April 2005
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