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Was Menschen bewegte und bewegt
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Alle meine Rezensionen ansehen (#1 HALL OF FAME REZENSENT) (TOP 50 REZENSENT) (REAL NAME) Rezension bezieht sich auf: Wie uns der Teufel reitet: Von der Aktualität der 7 Todsünden (Gebundene Ausgabe) Wer dieses Buch gekauft hat, kaufte auch "Unterwegs zu Jesus Christus" von Joseph Ratzinger, alias Benedikt XVI. Ich liebe diese Tipps bei Amazon. Gerade weil die dahinter verborgene Software immer wieder für Überraschungen sorgt. Ob denn alle Papst-Anhänger auch mit Heiko Ernst glücklich werden, muss ich mangels Feedback offen lassen. Fest steht allerdings, dass Heiko Ernst unter Psychologen ähnliche Popularität geniesst, wie der bayrische Oberhirte bei den Katholiken. Das hat weniger mit den Büchern von Heiko Ernst zu tun als mit seinem Job. Denn hält er bis 2009 durch, wird er dreissig Jahre lang für die Inhalte von „Psychologie heute“ verantwortlich sein. In der Jubiläumsrede von mir würde stehen, dass er allen geharnischten Leserbriefen zum Trotz die Glaubensfreiheit in der Psychologie verteidigte. Heiko Ernst ist es zu verdanken, dass ich jeden Monat über abstruse Studien den Kopf schütteln darf, mich über die Reanimation alter Klassiker, Tage der offenen Tür in exklusiven Forschungslabors, kluge Interviews und abgefahrene Esoterikertheorien erfreuen kann. Die Annahme, dass der Chefredaktor von „Psychologie heute“ ein offener Geist und ungemein belesen ist, bestätigte mir die Lektüre von „Wie der Teufel und reitet“.
Der Untertitel „Von der Aktualität der 7 „Todsünden“ ist gleichzeitig eine Kürzestzusammenfassung des Inhalts. „SALIGIA“ heisst die Eselsbrücke, über die ich vor Jahren getrost zu den Prüfungen des Theologiestudium schritt: Superbia = Hochmut, Avaritia = Habgier, Luxuria = Wollust, Invidia = Neid, Gula = Völlerei, Ira = Zorn und Acedia = Trägheit. Ein Sündenkatalog, der seinen Ursprung im fünften Jahrhundert hat und im Lauf der Zeit die verschiedensten Umdeutungen erfuhr. Ausser den zehn Geboten gibt es in der abendländischen Kultur- und Geistesgeschichte keinen Kanon, der menschliches Verhalten und Sein so klar kategorisierte und für zeitgemässe Deutungen dennoch offen blieb. Heiko Ernst gebührt die Ehre, die 7 Todsünden aktualisiert zu haben, ohne sie vulgärpsychologisch aus ihrem historischen Kontext zu reissen. Im Gegenteil, indem er ihren Spuren nachgeht, gelingt es ihm, sie als Vorstellungsbilder für die Leiden, Ängste und Nöte des gegenwärtigen Menschen neu zu beleben. Heiko Ernst zeigt auf, wo wir uns mit Rationalisierungen selber belügen, welchen Mächten wir ausgeliefert sind und wie wir Widerstand leisten können. Und weil die herrschende Gleichgültigkeit der Psyche schadet, bezieht Heiko Ernst auch Stellung.
Anhänger fundamentalistischer Ratgeberliteratur werden es dem Autor übel nehmen, seinen klugen Text nicht durch Kästchen mit tollen Tipps garniert zu haben. Aber zwischen den Zeilen und manchmal auch ganz konkret steht in diesem Buch mehr für den praktischen Alltag als in den meisten Gebrauchsanweisungen für die Suche nach dem Glück. Da der Teufel schon für den Titel herhalten musste, ist es recht und billig, dass er auch im Buch Nebenrollen einnehmen darf. Mal tritt er im Gewand der Medien auf, dann als Neoliberaler, Globalisierer oder Marketer. Das macht die Ausführungen von Heiko Ernst zwar nicht objektiver, aber dafür umso spannender, unterhaltsamer und menschlicher.
Mein Fazit: Nur wer viel von der menschlichen Seele und der Geschichte ihrer Beschreibungen weiss, kann ein Buch wie dieses schreiben. Ich wünsche diesem Werk eine unmässige Verbreitung, gerade weil Heiko Ernst die Auffassung vertritt, Marketing sei der Feind der Mässigung.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 19. April 2006 |